Der Außenseiter – Somebody’s Geschichte

Die ersten Freunde von Somebody waren Zwillinge. Sie hießen Mia und Gerrit. Sie hatten viele Geschwister und mit ihnen allen spielte Somebody, noch bevor er in den Kindergarten kam. Als der erste Kindergartentag kam, weinte Somebody, als seine Mutter sich verabschiedete. Er ließ sich erst beruhigen als er zu Mia und Gerrit durfte. Mia und Gerrit waren Somebody’s erste Freunde.

Mit fünf Jahren zog Somebody mit seinen Eltern und Geschwistern um. In ein eigenes Haus. Weit weg von Mia und Gerrit. Er ging in einen neuen Kindergarten. An seinem ersten Tag dort weinte er nicht. Er schaute sich um und versuchte neue Freunde zu finden. An seinem Tisch gegenüber saß ein Junge, der sehr nett aussah. Die Kindergärtnerin sprach diesen mit „Nico“ an. Also lächelte Somebody den Jungen an und sagte: „Hallo Nico“. Nico und Somebody wurden beste Freunde. Sie spielten miteinander, vermutlich stritten sie auch miteinander. Sie wurden zusammen eingeschult, saßen in der Schule nebeneinander. Nico war Somebody’s erster bester Freund.

Eines Tages in der Schule spielte Somebody mit einem Buntstift herum. In einem unachtsamen Moment piekte er damit Nico in die Wange. Zum Glück passierte nichts schlimmes. An diesem Tag holte Somebody noch seinen kleinen Bruder vom Kindergarten ab, denn Somebody’s Mutter war zu einer Kur gefahren. Auf dem Heimweg hielt plötzlich Nico’s Mama die beiden an. Wütend redet sie auf Somebody ein, dass er Nico schlimm verletzt hätte und sie nicht mehr nebeneinander sitzen dürften. Weinend lief Somebody nach Hause. Seine Oma, die auf die Kinder aufpasste, während die Mutter weg war tröstete Somebody nicht. Am nächsten Tag saß Nico auf einem anderen Platz. So verlor Somebody seinen ersten besten Freund.

Für einige Jahre fand Somebody keinen neuen besten Freund. Er spielte mit vielen Kindern. Mal hier mal da, doch er fühlte sich mit keinem richtig fest verbunden. Mit neun Jahren bekam Somebody zum ersten mal das Gefühl, dass er anders war als andere Kinder. Er hatte das Gefühl seine Kindheit hinter sich gelassen zu haben. Er hatte das Gefühl, über vieles nachdenken zu müssen, sich Sorgen zu machen. Er fühlte sich nicht verstanden und nicht verbunden. So lernte Somebody die Einsamkeit kennen.

Weil Somebody’s Gedanken anders waren, als die von Gleichaltrigen suchte er neue Freunde bei älteren Kindern. Er fand eine Clique in der er sich wohl fühlte. Besonders mit Nelly verstand er sich gut. Sie dachten sich gemeinsam Geschichten aus und spielten diese nach. Sie machten Pläne, hörten Musik, waren das erste mal verliebt, aber nicht ineinander. Er fühlte sich sehr verstanden und angenommen. Doch als Nelly nach der zehnten Klasse auf eine andere Schule und nach dem Abitur an die Uni ging brach der Kontakt irgendwann ab. In Somebodys Jahrgang hatten sich in der Zwischenzeit feste Cliquen gebildet, die Somebody oft wie gemauerte Festungen vorkamen. Als Nelly weg war, fand er keinen Zugang mehr in den Festungen. Er lernte das Gefühl kennen, nicht gut genug zu sein. Er hielt sich für minderwertig. Nicht wichtig, nicht aufregend, nicht hübsch genug. Langweilig, nervig und überflüssig. Somebody’s neue Freunde waren dunkle Gedanken und Kälte.

Die neuen Freunde begleiteten Somebody wohin er auch ging. Sie fraßen sich durch seinen Kopf und seine Seele. Mit jedem Freund oder Partner, den er verlor oder nicht bekam wuchsen sie, wie fette Maden. Wie Parasiten, die von Somebody Besitz ergriffen und ihn fremdsteuerten. Die Minderwertigkeitskomplexe ließen nicht mehr zu, dass Somebody sich öffnen und einlassen konnte und mit der Zeit fehlte Somebody  auch die Kraft. Er war nicht immer nur allein. Er ging auf einige Partys, in Jugendgruppen, traf sich mit Leuten. Aber immer hatte er das Gefühl nicht dazu zu gehören, außen vor zu sein. Er fühlte sich verletzt, wenn ohne ihn Pläne geschmiedet wurden und gleichzeitig war er nicht in der Lage sich selbst intensiv einzubringen.

Heute hat Somebody einen kleinen Freundeskreis mit Leuten, denen er sich öffnen kann. Leute, die ihn schon am Boden gesehen haben und für die es ok ist, wenn er sich manchmal länger nicht meldet. In Somebody’s Bekanntenkreis findet in diesem Jahr eine Hochzeit statt, zu der seine Freunde heute eingeladen wurden. Somebody hat keine Einladung bekommen.

Aber eine Einladung für die Kälte und die dunklen Gedanken.