Leben mit den Dämonen

Ja was soll ich schreiben…ich will ja eigentlich auch nicht immer nur jammern, weil das nunmal nichts bringt. Aber Fakt ist, es geht mir nicht gut.

Ich schaff es grade nicht irgendwas zu strukturieren oder anzugehen…das kotzt mich tierisch an.

Während ich diesen Beitrag schreibe, isst meine Mama im Wohnzimmer. Zwischen uns ist eine geschlossene Tür. Ich höre das Besteck auf dem Teller klappern und es macht mich wahnsinnig. Eigentlich wollte ich mich auch in „mein“ Zimmer zurückziehen, aber vor dem Zimmer wird grade fleißig aufgeräumt/ ausgemistet. Das ist ja schön und freut mich wirklich sehr, aber ich komme hier nicht zur Ruhe. Ich fühle mich permanent gestresst.

Gestern hab ich einen Vortrag zum Thema Resilienz besucht. Naja, das Fazit war, dass es in meiner aktuellen Situation einfach kein Wunder ist, dass es mir im Moment so geht, wie es geht. Ich bin durch das Wohnen bei meinen Eltern permanent den Dämonen ausgesetzt, die mir ja meine liebe Depression geschenkt haben, ich entferne mich immer mehr vom gesunden Erwachsenen und werde immer mehr die kleine Danny und ich kann nichts dagegen tun. Beschneidung des Handlungsspielraums und der Kontrollmöglichkeiten ist ein großer Stressfaktor. Das ist so. Bei jedem. Wie stark jeder einzelne Handlungsspielraum und Kontrolle braucht ist wieder was anderes. Und ich bin nunmal der Typ, der sehr viel Freiraum und Kontrolle braucht. Meine ganzen Mechanismen, die ich mir erarbeitet habe um Frust zu bewältigen, oder Spannung abzubauen oder zur Ruhe zu kommen kann ich hier nicht umsetzen. Oder nur sehr sehr beschränkt. Sprich ich hab keine Möglichkeit mich wieder in ne normale Bahn zu bringen und gleichzeitig tanzen die Dämonen um mich rum und strecken mir die Zunge raus.

Ja ich weiß, es gibt so viele, denen geht es schlimmer und die jammern nicht so rum. Ich weiß das. Und das zu wissen macht das Gefühl nicht besser. Es fühlt sich an als wäre ich gelähmt. Die Beine sind da, sehen auch funktionstüchtig aus, aber die Verbindung wurde beschnitten, ich kann sie nicht in Gang setzen.

Ich versuche Alternativstrategien zu entwickeln, bin da aber nicht sehr erfolgreich. Ich habe zumindest monatlich Gespräche mit meinem Therapeuten und ich nehme hochdosiertes Johanniskraut, wobei ich nicht das Gefühl habe, dass es hilft.

Aus dem Beitrag über Resilienz ging ein bisschen hervor, dass eine der Überlebensstrategien in Krisen ist, sich nicht starr gegen die Situation zu stellen, sondern dem Druck etwas nachzugeben um nicht zu brechen. Wie ein Baum, der dem Wind nachgibt um eben nicht von den Füßen gerissen zu werden.

Ich gehe davon aus, dass es wirklich besser werden wird, wenn ich endlich wieder mein Leben leben kann. Noch hab ich keinen Termin für den Umzug, aber die Vermieter haben sich vor ein paar Wochen gemeldet um mal Bescheid zu geben, dass sie noch nichts wissen aber mal nachhören wollen. Ich glaube nicht, dass es dann sofort besser wird, aber mit der Zeit. Was mir Angst macht, ist dass diese Hoffnung so lange auf Sand gebaut ist, solange ich keinen Mietvertrag unterzeichnet habe. Aber man kennt das ja von dem Strohhalm an den sich der Ertrinkende klammert. Und mehr als diesen Strohhalm hab ich grade nicht.

Also versuche ich es jetzt mit der „Gras-im-Wind“-Strategie. Ich gebe dem Druck nach und lasse zu, dass es mich runter zieht. Ich versuche das bewusst und ohne Bewertung zu machen. So nach dem Motto: „ach guck, da liegt sie die Danny“

Vielleicht ist grade auch mal wieder ein guter Moment die Achtsamkeitsübungen zu machen.

„Solange du atmest, ist mehr gesund an dir als krank“ (Jon Kabat-Zinn)

Also…atme ich mal…

 

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