Schluss mit Ausreden

Diese Woche merkte mein Therapeut an, ob ich nicht etwas fahrlässig mit mir umgehen würde. Er bezog das hauptsächlich auf die Situation, dass ich bei meinen Eltern wohne und mich damit den Dämonen meiner Kindheit aussetze und dass ich auf ein Haus warte von dem ich noch nicht weiß wann es frei wird, bei dem noch so viel schief gehen kann und ich nichts schriftliches in der Hand habe außer einer SMS von der Vermieterin.

Natürlich hab ich den Gedanken erstmal von mir gewießen. Ich kann ja nix für die blöde Situation, ich bin das Opfer, ich hab keine Schuld und muss so sehr leiden.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich solche Gedanken und mein Verhalten nicht ordentlich durchkauen und reflektieren würde. Und ich kam zu dem Schluss:

In der Hinsicht hat er diesmal nur indirekt recht.

Ich habe mich bewusst dafür entschieden zu meinen Eltern zu gehen, statt mir ein Zimmer übergangsweise zu nehmen. Das war nicht fahrlässig. Aber dass ich mich grade so derart bemitleide und Ausreden ohne Ende hab: DAS ist fahrlässig. Und wie ich mit meinem Körper umgehe ist schon nicht mehr fahrlässig sondern hochgradig autoaggressiv.

JA, es ist ne doofe Situation, JA, es ist anstrengend, JA, ich hab hier nicht die Möglichkeiten für mich zu sorgen, wie ich es mir erarbeitet habe, ABER ich bin ein erwachsenes und durchaus gescheites und auch kreatives Mädchen und ich kann verdammt nochmal auch aus dieser Situation was machen, wenn ich nur endlich aufhöre mich selbst zu bemitleiden und das arme Opfer zu spielen.

Am meisten Sorgen macht mir mein Essverhalten. Ich fresse….es ist so ekelhaft. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt wirklich Hunger hatte, oder lustvoll etwas genießen konnte. Ich bin permanent überfüllt, kurzatmig, wabbelig, fett. Ich habe um die 6 Kilo zugenommen seit ich bei meinen Eltern wohne. Und ich hab immer und überall die Ausrede angebracht: das wird schon wieder, wenn ich wieder mein eigenes Leben führe, ich brauche das Essen im Moment als Ventil und zur Frustbewältigung.

Ja, das stimmt auch, aber mittlerweile hab ich das fressen so ritualisiert, dass es eben auch außerhalb von Frust stattfindet. und DAS GEHT SO NICHT!

Ich fange hier und jetzt wieder an auf mich zu achten. Wenn ich Hunger oder Appetitt habe, dann frage ich mich

  1. Warum hab ich Hunger oder Appetitt
  2. wenn es nur Appetitt ist, würde mir dann evtl auch etwas anderes helfen?
  3. Worauf habe ich Lust, was verlangt mein Körper grade

Und dann werde ich das essen worauf ich Lust habe und versuchen aufzuhören wenn ich satt bin. Und ich werde es akzeptieren, wenn es nicht klappt, aber weiter versuchen. Ganz kleine Schritte.

Ich bin erwachsen und ich kann für mich sorgen!

Ich bin 1,70m

ich wiege 148,6kg

Mein BMI: 51,2

Leben mit den Dämonen

Ja was soll ich schreiben…ich will ja eigentlich auch nicht immer nur jammern, weil das nunmal nichts bringt. Aber Fakt ist, es geht mir nicht gut.

Ich schaff es grade nicht irgendwas zu strukturieren oder anzugehen…das kotzt mich tierisch an.

Während ich diesen Beitrag schreibe, isst meine Mama im Wohnzimmer. Zwischen uns ist eine geschlossene Tür. Ich höre das Besteck auf dem Teller klappern und es macht mich wahnsinnig. Eigentlich wollte ich mich auch in „mein“ Zimmer zurückziehen, aber vor dem Zimmer wird grade fleißig aufgeräumt/ ausgemistet. Das ist ja schön und freut mich wirklich sehr, aber ich komme hier nicht zur Ruhe. Ich fühle mich permanent gestresst.

Gestern hab ich einen Vortrag zum Thema Resilienz besucht. Naja, das Fazit war, dass es in meiner aktuellen Situation einfach kein Wunder ist, dass es mir im Moment so geht, wie es geht. Ich bin durch das Wohnen bei meinen Eltern permanent den Dämonen ausgesetzt, die mir ja meine liebe Depression geschenkt haben, ich entferne mich immer mehr vom gesunden Erwachsenen und werde immer mehr die kleine Danny und ich kann nichts dagegen tun. Beschneidung des Handlungsspielraums und der Kontrollmöglichkeiten ist ein großer Stressfaktor. Das ist so. Bei jedem. Wie stark jeder einzelne Handlungsspielraum und Kontrolle braucht ist wieder was anderes. Und ich bin nunmal der Typ, der sehr viel Freiraum und Kontrolle braucht. Meine ganzen Mechanismen, die ich mir erarbeitet habe um Frust zu bewältigen, oder Spannung abzubauen oder zur Ruhe zu kommen kann ich hier nicht umsetzen. Oder nur sehr sehr beschränkt. Sprich ich hab keine Möglichkeit mich wieder in ne normale Bahn zu bringen und gleichzeitig tanzen die Dämonen um mich rum und strecken mir die Zunge raus.

Ja ich weiß, es gibt so viele, denen geht es schlimmer und die jammern nicht so rum. Ich weiß das. Und das zu wissen macht das Gefühl nicht besser. Es fühlt sich an als wäre ich gelähmt. Die Beine sind da, sehen auch funktionstüchtig aus, aber die Verbindung wurde beschnitten, ich kann sie nicht in Gang setzen.

Ich versuche Alternativstrategien zu entwickeln, bin da aber nicht sehr erfolgreich. Ich habe zumindest monatlich Gespräche mit meinem Therapeuten und ich nehme hochdosiertes Johanniskraut, wobei ich nicht das Gefühl habe, dass es hilft.

Aus dem Beitrag über Resilienz ging ein bisschen hervor, dass eine der Überlebensstrategien in Krisen ist, sich nicht starr gegen die Situation zu stellen, sondern dem Druck etwas nachzugeben um nicht zu brechen. Wie ein Baum, der dem Wind nachgibt um eben nicht von den Füßen gerissen zu werden.

Ich gehe davon aus, dass es wirklich besser werden wird, wenn ich endlich wieder mein Leben leben kann. Noch hab ich keinen Termin für den Umzug, aber die Vermieter haben sich vor ein paar Wochen gemeldet um mal Bescheid zu geben, dass sie noch nichts wissen aber mal nachhören wollen. Ich glaube nicht, dass es dann sofort besser wird, aber mit der Zeit. Was mir Angst macht, ist dass diese Hoffnung so lange auf Sand gebaut ist, solange ich keinen Mietvertrag unterzeichnet habe. Aber man kennt das ja von dem Strohhalm an den sich der Ertrinkende klammert. Und mehr als diesen Strohhalm hab ich grade nicht.

Also versuche ich es jetzt mit der „Gras-im-Wind“-Strategie. Ich gebe dem Druck nach und lasse zu, dass es mich runter zieht. Ich versuche das bewusst und ohne Bewertung zu machen. So nach dem Motto: „ach guck, da liegt sie die Danny“

Vielleicht ist grade auch mal wieder ein guter Moment die Achtsamkeitsübungen zu machen.

„Solange du atmest, ist mehr gesund an dir als krank“ (Jon Kabat-Zinn)

Also…atme ich mal…

 

Domäne 3 Schema 12: Unzureichende Selbstkontrolle

Jaha, wer hätte es gedacht. Da gibts doch auch was von ratio… ein Schema…

Kurz zum Hintergrund: Ich hab im Moment „ne verdammt kurze Lunte“ (Aussage mein Therapeut). Weihnachten bin ich ziemlich unvermittelt ziemlich heftig explodiert. Atombombenartig. Ich hatte da auch ein Messer in der Hand und musste feststellen: ich kann das nicht, das mit den Pulsadern, das mit dem Selbstmord, das mit den endgültigen Entscheidungen, die kein Hintertürchen offen lassen.

Vor zwei Wochen stand ich kurz davor mich freiwillig einweisen zu lassen, weil mein Date sich nicht sofort überschwänglich wieder gemeldet hatte. Es war nichtmal so, dass er sich gar nicht gemeldet hätte. Er war nur recht wortkarg und es dauerte bis zu einem Tag bis eine Antwort kam (ICH HASSE DAS) aber ich hab völlig überreagiert. War total außer mir. Und das obwohl ich nach dem ersten Treffen noch nicht mal das Gefühl hatte, dass das nun der Traummann war. Und ich denk sofort drüber nach aus dem Fenster zu springen (2. Stock, ich denke viel mehr als ein gebrochenes Bein hätte es eh nicht gegeben). Aber trotzdem, das kann man nu wirklich nicht als „normale“ Verarbeitung von Frust bezeichnen. Überhaupt bin ich grade nicht die größte im Umgang mit Frust. Alles schmeißt mich aus der Bahn, ich werde so wütend, wie ich das nur selten bei mir erlebt habe. Und ich gehe dabei auch die Menschen an, die ich liebe und das ist nunmal eben NICHT OK!!

Deshalb war ich bei meinem Therapeuten und er meinte nur: Is ja kein Wunder. In der Situation. Und übrigens: da gibts ein Schema, das nennt sich „unzureichende Selbstkontrolle“. BÄM

Hätte ich früher nie gedacht, ich dachte grade ich bin hyperkontrolliert. Aber da ja zur Zeit viele meiner Bedürfnisse nicht erfüllt werden können, raste ich eben verdammt schnell aus. Ist keine Lösung ich weiß.

Der Plan ist:

  • Sport (mache ich. Aquazumba ist nach wie vor der Hammer und ich schaue mich noch nach einem weiteren Kurs um)
  • Sex (ist grade leider etwas schwierig nen passenden Partner zu finden…ich bin aber dran)
  • Therapie ( alle vier Wochen)
  • Glücksmomente (ich geb mir Mühe)

Ich versuche weiterhin gut mit mir zu sein und eben ruhige zu bleiben…

Ich weiß das klingt alles nur so wabbelig, ist es irgendwie auch, aber mehr hab ich dazu grade nicht anzubieten.